Ein Projekt von Manuela Unger
an der Bauhaus-Universität Weimar.

Idee

Die Idee des hier vorgestellten Projektes, entstand während eines längeren Aufenthaltes in Rio de Janeiro. Vielfältige persönliche Erlebnisse, aber auch das Leben und das vielschichtige Milieu in dieser Stadt, gaben die entsprechenden Impulse dazu. Der schmale Grat zwischen Kreativität, den Gesetzen und Traditionen Brasiliens, der europäischen Sichtweise und dem Hineindenken in eine andere Kultur, war dabei eine große Herausforderung.


Die Zielsetzung war die Planung einer kreativen Ausbildungsstätte in Lapa, einem Stadtteil von Rio de Janeiro. Dieses Vorhaben sollte deshalb unter Einbeziehung vorhandener Probleme und aktueller Ereignisse einen Treffpunkt erschaffen, der als Schnittstelle vieler Menschen Kommunikation und Interaktion ermöglicht. Die Teilnehmer der ‚Kreativfabrik‘ lassen die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten wachsen. Dies soll sich auch architektonisch ausdrücken...

Hintergrund

Der Standort der geplanten ‘Kreativfabrik’ befindet sich im Herzen von Lapa, einem Stadtteil Rio de Janeiros... an einem von Kreativität und Kunst geprägten Ort. Lapa ist ein Bezirk, der viele Menschen anzieht. An den Wochenenden bietet ein breites, kulturelles Angebot viel Abwechslung. Diesem Umstand soll das geplante Gebäude Rechnung tragen, indem es tagsüber als Schule, abends und am Wochenende für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt wird.
Der nahe der Metro und einer Busstation liegende Platz ist von den Einwohnern Rios hoch frequentiert. Es ist ein Sammelpunkt mit guter Blickbeziehung zu dem neu angedachten Projekt. Die geplante Ausbildungsstätte wird mit einem hier angelegten Gebäude architektonisch sichtbar. Ein neuer Bau, welcher sich an die Traditionen und Gesetzmäßigkeiten der Stadt und ihrer Mitbewohner anlehnt. Der ‚kulturelle Korridor‘ und sein Handbuch ‚Corredor Cultural‘ der ‚Preifeitura da Cidade do Rio de Janeiro‘, bildeten die Basis der Planungen.

Projekt

Die ‚Kreativfabrik‘ bietet die Möglichkeit, sich in Richtung der darstellenden und bildenden Künste sowie Techniken auszubilden. Die Teilnehmer des Projekts lassen die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten wachsen. Dies soll sich auch architektonisch in Form von Wachstum und Veränderung ausdrücken...

Das Gebäude besteht aus zwei feststehenden Gebäuderiegeln mit einem Verbindungsteil aus Beton. Die Fassade ist im historischen Stil der Umgebung errichtet. Dahinter schließt sich der neue Bau an. Der moderne Gebäudeteil beginnt jedoch schon über dem Erdgeschoss mit dem geplanten Schaufenster und zieht sich in Form eines variablen Gerüstes in das Gebäude hinein. Neben dem Eingangs-Riegel gibt es einen Funktionsriegel mit Werkstatt, Computerräumen etc..

In das U ist ein Stahlgerüst eingefasst, welches flexibel bespielbar ist. Damit wird es abwechselnd nutzbar, als auch die Idee des Wachstums und der Varibilität aufgenommen. Im Gerüst wird gearbeitet und gestaltet. Es dient der Ideenfindung. Benutzt werden preiswerte und häufig in Rio de Janeiro zu findende Materialien, wie gebrauchter Stahl und recycelte Baustoffe. Eine Vielzahl an Wegwerfprodukten, wie Eierschalenkartons, Pappe, Autoscheiben, Suppendosen, alte Segel und Plastik, werden als architektonische Gestaltungselemente verwendet.
Damit wird auf spielerische Art und Weise der direkte Bezug zu den sozialen Unterschieden in Lapa und Umgebung geschaffen. Die Kreativität der Nutzer des Gebäudes ist das Transportmittel als Vermittler zwischen den sozialen Herkunftsebenen. Menschen jeglichen Standes werden in das Projekt einbezogen und zum Zwecke des Austausches, der Arbeit und der Kommunikation zusammengebracht. Das Projekt hat die Perspektive der beständigen Weiterentwicklung, der Veränderung und des Wachstums. Geschaffen wird ein Ort, der Kreativität, Lernen, Schaffen und Leben einander näher bringt und zu einer Fusion dieser beiträgt.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem großen Schaufenster, durch welches der gewünschten Symbiose des Ortes mit der Umgebung Rechnung getragen wird. Darin werden temporäre Fassadenelemente nach dem Prinzip der Wäscheleine, typisch für südliche Gefilde, mittels eines Stahlseils aufgehangen. Sie dienen dabei der Werbung und Präsentation, aber auch als Schutz vor Regen und Sonne.

Die Idee Wegwerfprodukte als architektonisches Gestaltungsmittel zu verwenden ist nicht neu. Der Ideenfindung und der letztendlichen Planung des Projektes gingen zunächst langwierige und abenteuerliche Recherchen voraus. Wertvolle Informationen und die Inspiration zu diesem Projekt, basieren auf der weiter unten aufgeführten Literatur -bezugnehmend darauf z.B. ‚A showroom for Kvadrat‘ in Stockholm/ Deutschland und ‚Luna Rossa team base‘ in Valencia/ Spanien.


Im Zuge der Planungen kam es auch zur Auseinandersetzung mit ähnlichen Projekten bezüglich der möglichen Lehrstruktur, der Finanzierung und Gestaltung. Hierbei zu nennen ist unter anderem die „Escolar Fábrica de Espectaculo“, „Elemental Chile in Iquique“, „Favela Painting“, „Celula Urbana Jacarezinho“ und die in Projektnähe gelegene „Escardaria Selaron“.

Informationen

Prefeitura da cidade do Rio de Janeiro: Como recuperar, reformar ou construir seu imóvel no Corredor Cultural

Sylvie Krüger, textile Architecture

Haupt- Verlag; Françoise Tellier-Loumagne: Inspirationen für Textildesign

IOS Press; Mick Eekhout, Fons Verheijen, Ronald Visser: Cardboard in Architecture

Ausstellungen

Auf der „Summary 2011“, der Jahresausstellung der Bauhaus-Universität Weimar für ausgewählte Arbeiten der Bereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien, wurde das fertige Projekt auch der Öffentlichkeit präsentiert.

Danksagung

Mein besonderer Dank gilt meiner Familie, allen Freunden und meinen Praktika-Kollegen in Brasilien, die mich vorallem in der Abschlußphase meines Studiums moralisch sowie mit wertvollen Tipps und Informationen unterstützten, aber nicht zuletzt auch meinem Betreuer und Förderer, Herrn Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd Rudolf von der Professur für Bauformenlehre und Darstellungsmethodik der Bauhaus-Universität Weimar.




Für Marion.



Kontakt




Dipl.-Ing. Manuela Unger

Grindelallee 33
D-20146 Hamburg, Germany
+49 (0)40 18201335
info@creativefactory.de

1983 wurde ich in Berlin geboren.
Mein Architekturstudium beendete ich mit dem Abschluß als Diplomingenieur an der Bauhaus-Universität in Weimar. Während dieser Zeit studierte ich zwischenzeitlich ein Jahr an der Universidad de Alicante in Spanien. Dort wurde auch mein Interesse an internationaler Architektur verstärkt.
Nach mehreren nationalen Praktikas war ich mehrere Monate in Rio de Janeiro / Brasilien tätig. Mein dortiger Aufenthalt und meine Praktikumtätigkeit im ortsansässigen Architekturbüro von Amann Architects + Consultants waren richtungsweisend für die Abschlußphase meines Studiums.
Das Thema meiner Diplomarbeit entstand als Idee zu einem für mich reiz- und anspruchsvollen Projekt: die Kreativfabrik „fábrica de criatividade“ in Rio de Janeiro.

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